„DONUM VITAE”

Umfassender Lebensschutz ist möglich

Dafür bedarf es des unmißverständlichen Zeugnisses „pro life”

Ein Leserbrief an die FAZ

Im seinem Leserbrief vom 4. Dezember hat Prof. Heinz dafür geworben, den „Konflikt um die Konfliktberatung”, den Streit zwischen der Deutschen-Bischofs-Konferenz (DBK) und Donum Vitae (DV), noch ein paar Jahre auszuhalten. Das klingt verständlich, sogar sympathisch, ist aber nicht die beste Lösung. Dafür gibt es im wesentlichen zwei Gründe einen „innerkatholischen” und einen „außerkatholischen”.

Zu einem scheint, daß dieser Konflikt zu einer deutlichen Lähmung in den öffentlich wahrnehmbaren Aktivitäten der Katholiken (incl. DBK) geführt hat.

Wirklich entscheidend aber ist und darum ist der „Ausweg” über die jahrelange Duldung nicht akzeptabel: Das Unrechtsbewußtsein betreffend den unbedingten, umfassenden Lebensschutz nimmt weiter deutlich ab – zu Beginn und am Ende. Die der breiten Öffentlichkeit kaum erklärbare Differenzierung zwischen „zwar rechtswidrig, aber straffrei” führt im Endergebnis dazu, daß die Abtreibung zunehmend als normale Lösung für Problemfälle propagiert und akzeptiert wird, zumal der Staat die – weiterhin rechtswidrige – Abtreibung weitgehend finanziert. Unter Hinweis auf die faktische Schutzlosigkeit des wachsenden Lebens in den ersten drei Monaten wird mit kaum angreifbarer „Logik” am Ende die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe gefordert.

Um die Zahl der Abtreibungen (auch der Spätabtreibungen) dauerhaft zu senken, scheint das Konzept „Hilfe statt Strafe” ein adäquates Mittel zu sein. Die umfassende Beratung der Mutter steht im Mittelpunkt; ihr soll die Möglichkeit zu einer informierten Entscheidung gegeben werden. Der Lebensschutz ist das angestrebte Ziel. Dem kann und soll die Beratung dienen.

Da der Staat aber mit der Dokumentierung (dem Schein) der – oft nicht wirklich stattgefundenen – Beratung die alleinige Bedingung für die Straffreiheit der Lebensbeendigung setzt, ist eine Beteiligung für Katholiken an dieser „Konfliktberatung” nicht möglich. Wenn auch nach anfänglichem Mitmachen, Zögern und Nachfragen haben sich daher die Bischöfe für die katholische Kirche zu Recht zwar nicht aus der Beratung – die Leistungen sind sogar deutlich gesteigert worden -, aber aus der „Konfliktberatung mit Schein” zurückgezogen. Als aktiver Teilnehmer an diesem Prozeß wäre die Kirche zunehmend unglaubwürdig geworden.

Deshalb muß der Konflikt mit „Donum Vitae” – die sich selbst als katholische Beratung beschreibt – möglichst rasch gelöst werden, wenn irgend möglich unter Nutzung der aufgebauten Infrastruktur. Daß bei einem stimmigen, geschlossenen auch öffentlichen Auftreten der Katholiken einschließlich der Bischöfe eine Trendwende „für das Leben” erreicht werden kann, beweist die Entwicklung in den USA.

Der Gesetzgeber ist „gehalten, die Auswirkungen seines neuen Schutzkonzepts im Auge zu behalten” und evtl. Änderungen und Ergänzungen vorzunehmen (BVerfG).

Dezember 2006

1 Kommentar zu „DONUM VITAE”

  • J. Beckermann

    In einem Beitrag in der Herder Korrespondenz (11/2014, S. 576 ff.) hat Pater Josef Schuster SJ bedauert, dass es auf dem Katholikentag 2014 in Regensburg zwischen “Donum Vitae” und anderen katholischen Lebensschutzorganisationen (z.B. Caritas, SkF) – und der DBK – nicht, wie von einigen erhofft, zu einem “Brückenschlag” gekommen sei.

    Dies wäre umso wünschenswerter gewesen, weil, wie Caritas-Präsident Neher erläutert hat, mit der Beratung ohne die Möglichkeit der Bestätigung durch den “Schein” nur 2% der Frauen in einer echten Konfliktsituation erreicht werden. “Donum Vitae” berät nach eigenen Angaben pro Jahr rd. 50.000 Schwangere, davon etwa 30% in Konfliktfällen.

    Unter Hinweis auf Papst Franziskus, der seiner Kirche geraten hat, “an die Ränder zu gehen” und das ohne Angst vor möglichen “Beulen”, wirbt Pater Schuster SJ für eine Neuevaluierung der kirchlichen Schwangerenkonfliktberatung.

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