KEINE ANGST VOR ALTENHEIMEN (Wohnstiften usw.)

Tausche Wohnfläche (auch Einsamkeit) gegen Lebensqualität

Nach Medienberichten über den von Roger Kusch so öffentlich begleiteten Suizid bei einer alten, alleinstehenden Dame (79) war diese nicht krank, hatte keine Schmerzen und verfügte über ein ausreichendes Einkommen – aber sie konnte sich nicht an den Gedanken eines möglicherweise notwendig werdenden Umzugs in ein Heim gewöhnen. Aufgrund dieser „Angst” hat sie sich über Möglichkeiten informiert, ihr Leben freiwillig vorzeitig zu beenden.

Wie hätte man ihr helfen können? Palliativstation bzw. Hospiz waren (noch) nicht angezeigt. In Würzburg, der Heimatstadt dieser Dame, gibt es eine Vielzahl von entsprechenden Heimen für ältere Menschen.

Warum hat sich davor gefürchtet – ein Bedenken, das etwa jeder achte Deutsche teilt? Hatte sie persönlich (oder in Erzählungen anderer) schlechte Erfahrungen gemacht? Wir wissen es nicht. Leider wird in den Medien über Alten-/Pflegeheime doch eher mit negativen Vorzeichen berichtet. Möglichst reißerisch aufgemachte Berichte über – zugegebenermaßen auch vorhandene – Mängel fördern den Absatz. Wen wundert es, wenn sich Ängste ausbreiten?

Die allgemeine demographische Entwicklung – abgesehen von dem besonderen Bereich der steigenden Zahl von Demenzkranken – zwingt uns dazu, weiter verstärkt in die menschenwürdige Altenbetreuung zu investieren. In den letzten Jahren ist viel erreicht worden: Bei uns werden etwa 90% der entsprechenden Einrichtungen gut geführt. Das Personal ist in der Regel aufmerksam, freundlich und lebensbejahend (trotz gelegentlicher Überforderung).

Die meisten Bewohner begrüßen nach erforderlicher Eingewöhnungszeit die neu gefundene Lebensqualität. Verlorene Wohnfläche wird mehr als aufgewogen.

Besonders wichtig ist die Möglichkeit, die angebotenen (kulturellen) Angebote zu nutzen und neue Bekanntschaften zu machen. Es mag überraschend klingen: Man sollte den Schritt in ein passendes Heim nicht zu spät machen. Und: Frühzeitiges Informieren über die verschiedenen Angebote lohnt sich.

Eine positive Erfahrung aus Palliativstationen hat sich bestätigt: Auch wenn die neuen Bewohner ursprünglich einen Sterbewunsch geäußert haben, wird dieser „Hilferuf”, nachdem er als solcher an- und ernstgenommen und „beantwortet” worden ist, nicht wiederholt.

Ein Engpaß zeichnet sich immer deutlicher ab: Die Suche nach engagiertem (und bezahlbarem) Personal wird immer schwieriger.

Vieles ist schon erreicht worden – dennoch bleibt noch viel zu tun, um vorhandene Ängste abzubauen. Der den meisten unverständlich lange unproduktive Streit um die Wirksamkeit der Patientenverfügung ist nur ein Beispiel.

Juli 2008

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