Leben mit Behinderungen (4):

„Wenn es uns gelingt, die Barrieren in den Köpfen der Menschen abzubauen, können wir uns mit den notwendigen technischen Nachrüstungen der Städte und Gebäude etwas mehr Zeit lassen“.

„Barrierefrei“: Es ist sehr erfreulich, daß man als Ziel baulicher Veränderungen immer häufiger von „barrierefreien Räumen“ – Städten oder auch Universitäten, einzelnen Gebäuden – lesen kann. In diesem Bereich ist in den letzten Jahren viel geschehen: niedrigere Buseinstiege, Kantsteinabschrägungen an den Kreuzungen, Ampeln mit Tonsignalen usw.

“Barrierefrei”: Früher hätte man „behindertengerecht“ gesagt, aber das wird aus Gründen einer vermeintlichen Diskriminierung unterlassen. Abgesehen davon, daß diese sprachliche Veränderung eher auf einer Verwechslung von Diskriminierung (nicht erlaubt) und Differenzierung (notwendig, schon aus Gründen der Gleichbehandlung ungleicher Umstände) beruht, besteht bei dem eher unspezifischen Ausdruck „barrierefrei“ zudem leicht die Gefahr, die Person des  Begünstigten der als erforderlich angesehenen Umbauten aus dem Auge zu verlieren.

Zwar werden die Behinderten bei uns, von kriminellen Ausnahmen abgesehen, nicht mehr gemoppt, aber es schleichen sich für die Betroffenen folgenschwere, „ärgerliche“ Unachtsamkeiten ein  – das kann bei einem Rollstuhlfahrer schon eine Treppe bzw. der fehlende Zugang zu einer Straßenbahn, einem Zug sein.

Eine „behindertengerechtere“ Einstellung in den Köpfen könnte helfen, auch die Folgen dieser Unachtsamkeiten für die Betroffenen zu mindern.

Das gilt konkret zunächst für körperlich Behinderte. Aber darüber dürfen wir die geistig Behinderten nicht vergessen – bis hin zu der steigenden Zahl der Demenzerkrankten (jetzt rd. 1,4 Mio.; bei 300.000 Ersterkrankungen im Jahr).

September 2012

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