„Arme Kinder“*

– weitere Überlegungen zu einem sehr komplexen, für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft mitentscheidenden Thema

Die gesicherte Betreuungsmöglichkeit auch kleinster Kinder – je nach Lage/Wunsch frei gewählt in der Familie oder außer Haus – ist ein notwendiger Baustein für die zukunftsfähige Gesellschaft. – Nach neuesten Untersuchungen (05/2014) könnte eine Kombination zwischen verlässlicher (Fremd-)Betreuung und Ganztagesschulen zu einer dauerhaften Erhöhung der Geburtenraten führen. Sich allein auf die Einwanderung zu verlassen, ist keine akzeptable Familienpolitik.

Zu Recht hat die katholische Kirche hohe Qualitätsstandards bei der jetzt gesetzlich ermöglichten Krippenbetreuung angemahnt. Qualifiziertes Personal für diese eminent wichtige Aufgabe zu finden, ist anscheinend deutlich schwieriger als die Bereitstellung der notwendigen Räumlichkeiten. Das ist aber nur Einzelaspekte eines sehr komplexen Themenfeldes, dem man nur durch die Betrachtung des gesamten Umfeldes gerecht werden kann. Bei dieser Frage bündeln sich vielfältige gesellschaftlich-politische, aber auch wirtschaftliche Aspekte/Erwartungen.

– Aus der Gehirn- (insbesondere der Bindungs)Forschung ist bekannt, dass die ersten drei Lebensjahre entscheidend für die Weiterentwicklung des bei der Geburt noch unfertigen menschlichen Gehirns sind. In dieser Zeit werden die Grundlagen für eine stabile (emotionale) Entwicklung gelegt. Prägefehler in dieser Zeit sind später kaum korrigierbar. Aber: Sicher gebundene Kinder sind nur schwer auf ungewollte Ziele konditionierbar – z.B. auf den Islamismus.

– Wesentliche Bezugspersonen in dieser Phase sind Mutter und Vater in ihren jeweiligen Rollen. Die immer mehr professionalisierte Fremdbetreuung darf diese natürliche Bindung nicht lockern und auch nicht das primäre Erziehungsrecht der Eltern unterminieren. Bei der – für das Kind auch belastenden – frühen Fremdbetreuung bleibt das stabile private Umfeld wichtig.

– Die Familie bietet einen verlässlichen Rahmen für die kindgerechte Entwicklung. Dass die häusliche Betreuung von Kleinstkindern zu finanziellen Engpässen führen kann, ist auch Folge bewusster Entscheidungen – in der Familien-, Renten und Steuerpolitik.

– Aufgrund der sicher zu erwartenden Schrumpfung bzw. Alterung unserer Gesellschaft sucht die Wirtschaft – neben flexibel einsetzbaren Männern – zunehmend gut ausgebildete junge Frauen. Auch die Frauen/Mütter sind an verlässlichen Karrierechancen interessiert (und nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen). Die praktizierte frühe Fremdbetreuung der Kleinstkinder ist aber nur ein Weg zu diesem Ziel.

– Der Betreuungsmarkt verspricht vielfältige gewinnträchtige Wachstumschancen.

Nur ein grundsätzlich kinderfreundliches Klima – erkennbar auch an familienfreundlichen Arbeitszeiten – bietet die Gewähr für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Diese Grundlage zu schaffen bzw. zu bekräftigen ist Aufgabe der Familienpolitik. Diesem Politikbereich insgesamt wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, bleibt unser Auftrag.

*vergl. Leserbrief Dr. med. Uta Müller-Lindenlauf, FAZ 16. 08. 13. In ihrem deutlich pessimistisch (realistisch?) gefärbten Text schreibt die Kinderärztin von einem „Rechtsanspruch auf Gefährdung des Kindeswohles“, daher die Briefüberschrift: „Arme Kinder“.

Juni 2014

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