ELTERNZEIT – Elterngeld: Ein Schritt in die richtige Richtung

Bei der intensiv geführten gesellschaftlichen Diskussion um das „Betreuungsgeld“ ist zu Recht darauf hingewiesen worden, dass der primäre Erziehungsauftrag der Kinder bei den Eltern liegt (Art. 6 GG). Staatlich geförderte Maßnahmen der Fremdbetreuung können daher zwar einen wichtigen, aber nur einen komplementären, ergänzenden Charakter haben. Sie dienen auch dazu, das Wahlrecht der Eltern zu ermöglichen.

Mit dem vor fünf Jahren eingeführten Elterngeld (als Lohnersatzleistung) sollten mehrere Ziele erreicht werden: Zum einen die stärkere, direkte Einbeziehung der Väter in der Kindererziehung. Insoweit sind die Zahlen nicht eindeutig. Zwar ist die Zahl der Väter, die Elterngeld und damit Elternzeit beantragt haben, von 20,8% in 2008 auf 25,3% in 2010 angestiegen. Allerdings haben in über 60% der Fälle beide Elternteile zeitweise gemeinsam diese Förderung bezogen. Und die meisten Väter haben sich lediglich für zwei Monate von ihrem Arbeitgeber beurlauben lassen.

Wer allerdings gehofft hatte, mit dieser Regelung Eltern zu deutlich mehr Kindern zu ermuntern, muss enttäuscht sein. (Die Geburtenrate bei Akademikerinnen zeigt allerdings eine leicht ansteigende Tendenz.) Ganz offensichtlich bedarf es zu einer Umkehr der sinkenden Kinderzahlen vor allem einer Bewusstseinsänderung, unterstützt durch andere „Instrumente“. Eine Gesellschaft, die durchgehend als kinderfreundlich wahrgenommen wird, wäre ein guter erster Schritt. Viele Eltern haben sich bewusst für die Doppelbelastung von Familie und Beruf entschieden. Maßnahmen, das Tragen dieser Belastung zu erleichtern, sind notwendig. Eine Weiterentwicklung in der Wirtschaft mit dem Ziel größerer Familienfreundlichkeit wäre wünschenswert.

Fazit: Die steigende Akzeptanz und die flexible Nutzung der durch die Elternzeit eröffneten Chancen sind insofern eine gute Nachricht. Darauf sollte man aufbauen.

Aber: Wie kaum anders zu erwarten, melden sich (November 2012) die Arbeitgeberverbände zu Wort. Deren Präsident fordert, nach dem beendeten Ausbau der Fremdbetreuung die Elternzeit (für beide Elternteile) schrittweise auf ein Jahr abzusenken. Die Politik weigert sich, diesen Schritt mitzugehen – zu Recht. Auch bei dem angestrebten Ziel einer familienfreundlicheren Wirtschaft muss in erster Linie das Kindeswohl im Vordergrund stehen. Angesichts der demographischen Entwicklung müsste das eigentlich auch im (wohlverstandenen) Interesse der Unternehmen sein.

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