IVF – In-Vitro-Fertilisation

Mehr staatliche Unterstützung für die künstliche Erzeugung von Menschen?

Der nicht zu übersehende demographische Wandel, die Überalterung bzw. die “Unterjüngung” dienen der Beschreibung (scheinbar) unabänderlicher gesellschaftlicher Veränderungen. Immer wieder denken Politiker über diese für unsere Zukunft wichtige Thematik nach. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, daß es bei uns etwa zwei Millionen (heterosexuelle) Paare gibt, die auf natürlichem Weg keiner Kinder bekommen können.

Mit zwei konkreten Maßnahmen hat sich Familienministerin Schröder zu Wort gemeldet: Sie möchte (1) Adoptionen erleichtern und (2) die künstliche/assistierte Erzeugung (In-Vitro-Fertilisation) bei ungewollt Kinderlosen stärker staatlich unterstützen (mit bis zu € 40 Mio.).

zu (1): Bei uns ist die Zahl der (Inlands-)Adoptionen rückläufig. Den vielen adoptionswilligen Eltern bei ihrer Suche zu helfen, ist daher richtig und wichtig. Aber eine Grundvoraussetzung sind zu adoptierende Kinder.

zu (2): In über 30 Jahren konnte weltweit durch die IVF der Kinderwunsch vieler Eltern erfüllt werden; rd. 5 Mio. Babys sind so zur Welt gekommen. Neben den grundsätzlichen Bedenken gegen die IVF darf auch nicht übersehen werden, dass die notwendige Behandlung für die Frauen belastend und nicht ungefährlich ist. Zudem sind die Erfolgsaussichten eher „bescheiden“ (knapp 20%) und daher potenziell psychisch negativ*.

Die von der Ministerin geplanten Maßnahmen (im vom Bundeskabinett im Juli 2011 beschlossenen Versorgungsstrukturgesetz) können in Einzelfällen helfen. Für die Gesellschaft als Ganze gibt es aber eine naheliegendere Alternative. Man wird fragen dürfen,  wie die staatlich mit ca. € 40 Mio. finanzierte Abtreibung von über 100.000 Ungeborenen im Jahr gerechtfertigt werden kann.

Angesichts der Entscheidung des Deutschen Bundestages (7. Juli 2011) zur grundsätzlichen Zulässigkeit der PID könnte die IVF für immer mehr Eltern zum Mittel der Wahl werden.

IVF und keine Grenzen:  Das britische Unterhaus hat im Februar 2015 das Verfahren zu “Drei-Eltern-Babys” für zulässig erklärt: Die defekte DNA einer Mutter wird gegen die intakte DNA einer anderen Mutter ausgetauscht.  

 

Rechte/Pflichten anonymer Samenspender:

(1) Das OLG Hamm hat dem Samenspender gegen den Willen der Mutter ein Auskunftsrecht über die persönlichen Verhältnisse (incl. Bild) “seines” Kindes zugesprochen (FAZ 16/05/14).

(2) Der BGH hat (im Januar 2015) entschieden, dass ein durch eine künstliche heterologe Insemination gezeugtes Kind von Geburt an ggü. der Reproduktionsklinik ein Auskunftsrecht über die Identität des anonymen Samenspenders hat (basierend auf § 242 BGB – Treu und Glauben).

 

Kostenerstattung der IVF: Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts (18. November 2014) zahlt die GKV nur für Verheiratete, denn die “Ehe trägt den Kindeswohlbelangen mehr Rechnung als eine nichteheliche Partnerschaft”. Diese in ihrer Begründung willkommene Entscheidung entspricht dem Wortlaut des Sozialgesetzbuches. Diese Entscheidung folgt einem gleichlautenden Urteil des BVerfG von 2007. (Begründung: IVF dient nicht der Beseitigung einer Krankheit.)

 

Ein wenig Statistik: * Aus für England für die Jahre ab 1991 vorgelegten Zahlen zur IVF ergibt sich:

– pro behandelter Frau sind im Schnitt 15 befruchtete Eizellen erzeugt worden

– rund die Hälfte dieser Eizellen sind eingepflanzt worden (d.h. etwa 1,7 Mio Embryonen wurden vernichtet)

– nur in etwa einem Sechstel der Fälle kam es zu einer Schwangerschaft

Januar 2015

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