INDIFFERENZATTACKE

Oder: Die Unschlüssigkeit als „unvermeidliche” Folge absoluter Freiheit

Die demographischen Daten sind eindeutig und ernüchternd: Wir leiden an einer „Unterjüngung”, es werden zu wenig Kinder geboren; die Geburtenrate liegt bei 1,3. Auffällig und für die Zukunft möglicherweise besonders gravierend ist zudem, daß gerade die gut ausgebildeten jungen Frauen immer weniger Kinder gebären. Sogar die Sozialdemokraten „beklagen” die höheren Geburtenraten der „bildungsfernen” Schichten.

Laut Befragungen wünscht sich die große Mehrheit der Eltern nichts sehnlicher als eigene Kinder. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Wie läßt sich diese Diskrepanz, diese für unsere Gesellschaft bedrohliche Entwicklung erklären? Mangelnde Betreuungsmöglichkeiten, Gefahr der Verarmung, Unvereinbarkeit von Familie und Beruf? – das sind sicher (nur) Teilerklärungen.

Das Grundproblem könnte in der sogenannten „Indifferenzattacke” liegen, einer lähmenden Entscheidungsschwäche. Seit der 68er-Bewegung wird Freiheit als die Möglichkeit, immer auch wieder anders entscheiden zu können, definiert. Eine schlüssige Folgerung ist die um sich greifende Unschlüssigkeit. Wenn die Lebensplanung darauf abhebt, sich so lange wie möglich alle „gleichgültigen” Optionen offen zu halten, ist jede konkrete Entscheidung beliebig, fragwürdig, vielleicht sogar kontraproduktiv. Warum sollte man sich für die Ehe, die Familie entscheiden – und damit die eigene Freiheit entscheidend einschränken? Immerhin gibt es doch die immer häufiger genutzte, als normal angesehene Möglichkeit der Ehescheidung. Besser noch man optiert gleich für die „Ehe ohne Trauschein” oder – ganz konsequent – für das „Single-Dasein”. Schwieriger wird es, wenn sich ein Kind ankündigt. „Gute Hoffnung” oder Entscheidung für den (Spät-)Abbruch – bei uns gestattet bis kurz vor der Geburt wegen „der möglichen Beeinträchtigung des seelischen Gesundheitszustands der Mutter”?

Das Bewußtsein von der Verantwortung für das Leben – das eigene und das Leben des Kindes -, von dem engen Zusammenhang zwischen Freiheit und Bindung ist weitgehend verloren gegangen.

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