RATING-AGENTUREN: Mittel gegen Kinderlosigkeit?

Demographie: Von einer sich wandelnden Sichtweise

BASEL II war in den letzten Jahren für die meist nur schwach eigenfinanzierten deutschen Mittelständler ein „Schreckgespenst”. In Zusammenarbeit mit RatingAgenturen wurden die Schwachstellen in den Finanzierungsstrukturen erbarmungslos aufgedeckt – mit (kurzfristig) zumeist negativen Auswirkungen für die Kreditwürdigkeit. Aber: Selbstbewußte und vorwärtsschauende Unternehmer haben schon damals gewußt, daß man diese Agenturen konstruktiv nutzen kann: mit ihrer Hilfe lassen sich die Schwachstellen besser erkennen und ausmerzen, um damit für die Zukunft eine gesunde, belastbare Struktur zu erreichen – verbunden mit einer entsprechenden Senkung der Kreditkosten.

Können Rating-Agenturen auch gegen den nicht zu leugnenden Kinderschwund „helfen”? Die negative demographische Entwicklung droht die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft insgesamt zu verdunkeln: alternde Gesellschaft, weniger Innovationen, sinkende Zukunftsinvestitionen, niedrigerer Wohlstand.

Da die Zukunftsfrage des „Kinderkriegens” mehr denn je zu einer „rational choice” geworden ist – bei der die potentiellen Eltern ihr gesamtes Umfeld, incl. der Arbeitswelt, abfragen – sollte man diesem Aspekt verstärkt Aufmerksamkeit schenken.

Bei der Bewertung von Unternehmen wurde schon immer die Frage der Zukunftsfähigkeit untersucht. Neben den „üblichen” finanziellen („harten”) Aspekten gewinnen für die Rating-Agenturen weitere („weiche”) Kriterien immer mehr an Bedeutung: z.B. die Umweltverträglichkeit, aber auch die „Familienfreundlichkeit”. Wie flexibel kann die Firma auf die sich wandelnden Wünsche von Müttern und Vätern eingehen? In Zeiten eines sich verknappenden Arbeitskräfteangebots könnte das in der Zukunft ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein.

Die Rating-Agenturen (z.B. Standard & Poor) haben aber auch sonst reagiert. Zum ersten Mal ist ein deutsches Land (Sachsen-Anhalt) wegen der ungünstigen Demographie in seiner Kreditwürdigkeit „herabgestuft” worden – die Folgen/Kosten werden bei der nächsten Kreditaufnahme konkret spürbar.

Februar 2005

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