(WERT-)MASSTÄBE UND ORIENTIERUNGEN

Stolz auf die „säkulare” Gesellschaft

Laizität als anerkannter Wert

Wir Europäer leben in einer durch und durch säkularisierten Gesellschaft. Europa ist zutiefst durch die Trennung von Staat und Kirche geprägt, einer Trennung, die nicht nur wegen der damit verbundenen Freiheit geschätzt wird. Einige skandinavische Länder (Norwegen, Schweden) weisen zugleich den höchsten Grad an Säkularisierung und die höchste Lebensqualität der Welt (gem. UN-Standard) auf. – Übrigens auch die höchste Zahl unehelicher Geburten und anonymer Beerdigungen.

Die auch von der Kirche anerkannte Autonomie der zivilen und politischen gegenüber der religiösen und kirchlichen Sphäre wird als „Laizität” bezeichnet – nicht zu verwechseln mit „Laizismus” und/oder „Konfessionalismus”. Eine – wenn auch nur teilweise – Rückkehr zu „vorsäkularen” Umständen ist ausgeschlossen, „politisch nicht korrekt” und daher unerwünscht.

Dennoch läßt sich ein interessantes Phänomen beobachten – man könnte es als die teilweise Rückkehr des Religiösen bezeichnen. Das gilt z.B. dann, wenn aufgrund des medizinischen „Fortschritts” ganz neue, komplexere Fragen betreffend den Beginn und/oder das Ende des Lebens diskutiert werden – denken wir nur an PID, PND, Klonen und/oder Sterbehilfe/Euthanasie. Es ist doch auffällig, in welchem Maß in diesen Debatten von allen Seiten religiöse Standpunkte verknüpft mit der entsprechend charakteristischen Sprache genutzt werden. Wo liegen die Gründe? Hat die „säkulare” Gesellschaft es nur versäumt, die ihr gemäßen sprachlichen Voraussetzungen zu entwickeln? Oder werden wir uns (wieder) bewußt, daß Grundsatzfragen ohne „radikale”, an die Wurzel unserer menschlichen Existenz gehende Antworten nicht angemessen zu lösen sind? Verstärkt wird diese Tendenz durch die Herausforderung des – sich auch fundamentalistisch gebenden – Islam, der uns zu einer Rückbesinnung auf unsere – eben auch christlichen – Traditionen drängt.

Wie lassen sich unsere christlichen Wertvorstellungen, unser Menschenbild ansatzweise auch Nichtchristen nahe bringen? Unter gegenseitiger Achtung der verschiedenen Standpunkte bietet nur das „Vorschlagen/Anbieten” des Glaubens die Chance für einen Neuanfang, für eine Orientierung.

„Die Kirche schlägt vor, sie drängt nichts auf”

Der Glaube als „positive Option” (Benedikt XVI.).

Oktober 2004

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