GLAUBE

– als „reference point”
Oder: Auf der Suche nach glaubwürdigen Zeugen
Oder: Die Verantwortung der Eltern

„…denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten” so lautet der Schluß der Bergpredigt. Auf die heutige Zeit übersetzt, ist man versucht hinzuzufügen: und nicht wie einer ihrer Politiker, Intellektuellen, Priester/Bischöfe, Lehrer – und die Eltern?

Wo bzw. Wer sind heute glaubwürdige Zeugen, die mit Vollmacht sprechen?

Wenn es noch eines Beweises für die ernsthafte, um sich greifende Suche nach Halt, Orientierung, Sinn bzw. Vergewisserung bedurft hätte, der evangelische Kirchentag in Hannover (Mai 2005) hätte ihn erbracht. Tausende vornehmlich junge Christen haben sich in Diskussion, Gesang und Gebet um ihren Glauben bemüht. Auf die Frage nach der Vereinbarkeit seiner öffentlich vorgetragenen Segenswünsche mit dem Prinzip der Trennung von Staat und Kirche hat Bundespräsident Köhler den tragfähigen Glauben den/einen „reference point” genannt – in englisch und in der Sprache der Wirtschaft -, also einen Vergleichs-Maßstab, eine Meßlatte.

Glaube ist ein Geschenk – von Gott, aber vermittelt im Auftrag durch glaubwürdige Zeugen. Missio, das ist unser aller Auftrag. Sind wir uns dessen bewußt? Wir alle sind gefordert – nicht nur die „Hauptamtlichen”. Insbesondere die Eltern.

Was kann für Eltern sinnvoller, befriedigender sein als ihren Kindern den Zugang zum Glauben zu eröffnen? Gemeinsames Gebet ist wichtig, sonntäglicher Kirchgang auch – am wichtigsten aber ist das Beispiel durch ein tragfähiges, glaubwürdiges Lebens-Zeugnis.

Wir Eltern müssen gar nicht auf jede Frage eine umfassende Antwort wissen. Was immer wir sagen bzw. vorleben: die Glaubwürdigkeit ist das wesentliche Kriterium für den Erfolg unserer Bemühungen.

In unserem Erziehungsauftrag gründet unsere Vollmacht.

Vielleicht wird man dann eines Tages auch von uns sagen können: „Ihre Rede, ihr Beispiel hat uns betroffen, nachdenklich gemacht, denn sie haben wie einer mit Vollmacht gehandelt”.

Juni 2005

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