Brutto – National – Glück 

– Glück als Ziel staatlichen Handelns? Kann man Lebenserfolg, Zufriedenheit messen?

Eine mögliche (Teil-)Antwort auf unsere demographische Situation

Neueste Zahlen belegen es: Deutschland altert und schrumpft. Die Geburtenzahl stagniert jährlich bei rd. 670.000 – trotz erheblicher finanzieller Unterstützung durch den Staat. Warum führt dieser konzentrierte Einsatz nicht zu einer nachhaltigen Steigerung?

Es spricht viel dafür, dass zur Realisierung grundsätzlich vorhandener Kinderwünsche eine Kombination verschiedenster Bedingungen vorhanden sein muss; finanzielle Erwägungen sind wichtig, aber nur ein Teil der Gleichung. Man ist geneigt zu glauben, dass Eltern „Ja“ zu Kindern sagen, obwohl sie wissen, dass – vielleicht nicht gerade die Armutsgefahr – aber doch (materielle) Einschränkungen zu erwarten sind. Diese „Nachteile“ werden langfristig durch Glückserfahrungen in der Familie aufgewogen.

Glück als zumindest nicht exakt messbare Größe hat in Zeiten einer starken Ökonomisierung aller Lebensumstände einen schweren Stand. Als Lösung auf eine wirtschaftsfeindliche Einstellung zu setzen, wäre dennoch der falsche Ansatz. Positive wirtschaftliche Rahmenbedingungen stimulieren den Kinderwunsch. Im Euro-Raum führt die Krise im Moment zu einer messbaren Reduktion der Geburtenzahlen.

Ohne die Einbeziehung nicht-materieller Kriterien führt die einseitige Betonung wirtschaftlicher Größen nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der demographischen Lage. Wenn über Zukunftschancen eines Landes gesprochen wird, findet man fast ausschließlich Begriffe wie „Wirtschaftswachstum“ (pointiert: “Wachstumsbeschleunigungsgesetz”) bzw.  „Bruttosozialprodukt“ als Maßgröße. Aber: Welche Daten werden so (nicht) erfasst? Die häuslichen Erziehungsleistungen der Eltern sind darin nicht enthalten. Wie bemisst sich Kinderfreundlichkeit?

Einen besonderen Weg hat das Land Bhutan beschritten. Es hat vor Jahren eine neue Zielgröße staatlichen Handelns eingeführt: Das „Bruttonationalglück“. Zumindest die dahinter liegenden Grundüberzeugungen sollten wir in unsere staatlichen und privaten Überlegungen einfliessen lassen.

Den Versuch ist es allemal wert – im Interesse unserer eigenen Zukunftsfähigkeit.

Juli 2013

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