Die Ethik des Heilens

– und die Debatte um die Forschung mit Stammzellen

In einem hitzigen Dialog über die Fortschritte in der Medizin begegnet Ihnen Ihr Diskussionspartner mit dem Satz: „Wenn Sie diesen Weg ablehnen, nehmen Sie den Kranken eine vielversprechende Heilungschance; Sie verstoßen gegen die Ethik des Heilens“. Wie reagieren Sie auf diesen – aus Ihrer Sicht ungerechtfertigten – Vorwurf? Wer möchte sich schon sagen lassen, er wolle Schwerstkranke im Stich lassen? Gibt es eine Ethik des Heilens, des Helfens? Was beinhaltet sie konkret? Aber: Könnte es sich nicht vielleicht manchmal doch nur um ein Scheinargument handeln – in Ermangelung wirklicher Gründe?

Ist es nicht zunächst einmal notwendig, mit aller Klarheit zu fragen, wem soll mit was geholfen werden. Soll der (gute) Zweck die (unerlaubten) Mittel heiligen? Was aber ist, wenn von der Unerlaubtheit der Mittel einmal abgesehen nicht einmal die Erreichung des Zwecks ernsthaft dargetan werden kann?

Nehmen wir die Debatte um die Forschung mit Stammzellen. Zu Beginn wurde nur um die Forschung mit embryonalen Stammzellen gerungen: menschliches Leben (Embryonen) sollte verbraucht (getötet) werden dürfen, um mögliche Heilungschancen zu eröffnen. Heute hat sich die Diskussion deutlich verschoben: Während anhand adulter Stammzellen schon nachweisbare Erfolge erzielt werden, bleibt die Forschung mit embryonalen Stammzellen immer noch die Konkretisierung möglicher (vager) Heilungschancen schuldig. Falsche Hoffnungen auf Heilung zu wecken, kann zudem auch nicht Ziel einer „Tugendpflicht“ sein.

Die Antwort bei dieser Ausgangslage ist klar: Die Forschung mit adulten Stammzellen verdient die (auch staatlich unterstützte) Förderung. Die Tötung menschlichen Lebens ist und bleibt nicht zu rechtfertigen.

Auf die praktische Politik bezogen: Zumindest darf der – im Wege eines Kompromisses gefundene – Stichtag nicht verschoben werden.

Auch bei anderen – bewußt schön klingenden – Stichworten bleibt Vorsicht geboten:

Donum Vitae – herzlichen Dank für dieses Geschenk, aber nicht um den Preis der auch möglichen Abtreibung. Dasselbe Argument gilt gegenüber Pro Familia.

Aktive Sterbehilfe klingt zunächst gut – aber nicht als Hilfe zum Sterben.

März 2008

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