FAMILIENWAHLRECHT

Leben in der Multioptionsgesellschaft

Familienwahlrecht – als Mittel für mehr Familienfreundlichkeit?

Unser Grundgesetz stellt Ehe und Familie unter seinen besonderen Schutz. Dieser Schutz greift, wenn sich zwei Menschen freiwillig entscheiden, miteinander die Ehe einzugehen und eine Familie zu gründen. Familienwahlrecht? Ja, denn niemand kann sie dazu zwingen – schon gar nicht der Staat. Er kann im Sinne seiner eigenen Zukunftsfähigkeit nur darauf hoffen – und diese Hoffnung legitimerweise durch entsprechende Rahmenbedingungen attraktiver machen -, daß möglichst viele Menschen dieses Angebot zur freiwilligen Bindung annehmen, diese Option wählen.

Den ersten Schritt – die Eheschließung – gehen noch viele, wenn auch mit deutlich abnehmender Tendenz. Dagegen verweigern zunehmend mehr Paare den nächsten Schritt: sie bekommen immer weniger Kinder. Was tun? Das Familienwahlrecht soll helfen. Der sympathische Grundgedanke ist, den Interessen der zukünftigen Kinder – im Wege einer Grundgesetzänderung – zu größerer Durchschlagskraft zu verhelfen, indem man ihnen (den Kindern) – vertreten durch die Eltern – ein Wahl-recht ihre zukünftigen Belange betreffend einräumt. Ab wann gilt dieses Wahlrecht? Da es den latent vorhandenen Kinderwunsch unterstützen soll, schon ab der Eheschließung? Für wie viele Kinder? Oder wegen des möglichen Mißbrauchs doch erst ab dem Beginn der Schwangerschaft oder sogar mit der Geburt? Für welche Belange? Wer übt das Wahlrecht aus? Nur die Eltern zusammen? Was geschieht bei einer Scheidung?

Die skeptischen Fragen überwiegen. Worin soll der Anreiz zu (mehr) Kindern liegen? Warum nicht den (zukünftigen) Eltern vertrauen – vielleicht sogar einem Netzwerk von Eltern? Eine bessere Lobby können sich die Kinder nicht wünschen. Nur sie können sicherstellen, daß bei ihrer persönlichen Entscheidung für das Kind die Interessen der Kinder im Vordergrund stehen – und nicht die (auch berechtigten) Wünsche der Wirtschaft oder des Staates. Kinder sind nicht Mittel zum Zweck. In diesem Sinne: Ja zum Wahlrecht auf Familie – zum Familienwahlrecht.

Januar 2005

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