Embryonen

KERNAUSSAGE:

Der menschliche Embryo ist ein Mensch. BVerfG: „Der Embryo entwickelt sich nicht zum Menschen, sondern als Mensch”.

Der Embryo umfaßt die Entwicklungsstufen (Embryogenese) von der Befruchtung bis zum fetalen Zustand. Das „Schwangerschaftsprodukt der höheren Säugetiere”, einschließlich der Menschen, bis zur Geburt nennt man FOETUS.

US-Amerikanischen Forschern (University of Oregon) ist es gelungen (Mai 2013), menschliche Embryonen durch Klonen herzustellen. Da damit die Gefahr der genetischen Kontrolle (Verzweckung) des Menschen akut zu werden droht, ist dieser Forschungsansatz ethisch inakzeptabel.

 

Wann beginnt das Leben? Wann beginnt der Lebensschutz?

Nach katholischer Ethik beginnt das Leben (und sein Schutz) mit der vollendeten Verschmelzung von Samen und Eizelle – auch in vitro* -. Grundsätzlich vertritt auch die evangelische Ethik diese Position; einige Theologen verlegen den Zeitpunkt auf die Nidation, die Einbettung der befruchteten Eizelle in die Gebährmutterschleimhaut. Spätestens dann beginnt auch nach Auffassung des BVerfG die Schwangerschaft.

*In Vitro Fertilization (IVF) seit 1978; heute leben über 3,5 Mio. Menschen, die „in vitro” gezeugt worden sind.

Der EuGH hat die Frage, ab wann menschliches Leben zu schützen ist, auf die nationale Ebene zurückverwiesen. Der pränatale Lebensschutz ist Angelegenheit der Mitgliedstaaten, nicht hingegen der EG (Müller-Terpitz, ZfL 2006, S. 40).

Im Oktober 2011 hat der EuGH sich gegen die Patentierbarkeit von biotechnischen Verfahren an menschlichen embryonalen Stammzellen ausgesprochen – wegen der damit notwendig verbundenen Verletzung der Menschenwürde (vergl. ZfL 04/2011, S. 125 ff.). Der BGH hat diese Entscheidung im November 2012 zumindest teilweise bestätigt: Keine Patentierbarkeit auf Stammzellen, wenn zu ihrer Gewinnung Embryonen zerstört worden sind.

 

Für im Reagenzglas befruchtete Eizellen (IVF) hat 2003 die Bundesjustizministerin (Verfassungsministerin) Brigitte Zypries die Zuerkennung der Menschenwürde verneint gemäß der Theorie von dem „gestuften Schutz der Menschenwürde”. Begründung: Ohne eine zur Austragung bereite Frau haben sie „nicht die Perspektive, sich zu einem Menschen zu entwickeln”.

Mit dem Gebrauch des Begriffs der Zuerkennung der Menschenwürde unterliegt die Ministerin einem (bewußten?) Mißverständnis: Die Menschenwürde wird aufgrund des Menschseins unwiderleglich vermutet, nicht (von niemandem) zuerkannt.

Der Buddhismus schenkt bioethischen Fragen wenig Aufmerksamkeit. Der frühe Embryo wird „als Tropfen wertvollsten Öls auf der Spitze eines Haares” beschrieben und entsprechend geschätzt. Wie im Hinduismus wird alles Leben als kontinuierlich angesehen: Der Tod ist nicht das Ende, sondern führt über die Wiedergeburt zu neuem Leben in anderer Gestalt. Weil mit der Abtreibung die Möglichkeit einer Wiedergeburt genommen wird, gilt sie als Unrecht.

Im Islam ist nicht genau definiert, ab wann der Embryo als Mensch gilt. Die Mehrheit  plädiert für den vierzigsten Tag der Schwangerschaft. Da der Islam stärker auf die Absicht (z.B. des Heilens) abstellt als auf die Handlung selbst, könnten bestimmte Techniken (z.B. Klonen) zulässig sein.

Im Judentum wird dem Embryo das volle Menschsein abgesprochen; daher ist im Wege eines Abwägungsprozesses die Nutzung von (tiefgefrorenen) Embryonen zu Forschungszwecken gestattet (auch der Export). Nicht erlaubt ist aber die Erzeugung von Blastozyten zu biomedizinischen Zwecken.

Rechtsstatusfragen

Parlamente und Gerichte in mehreren Ländern (u.a. Australien und USA) denken verstärkt über den Rechtsstatus ungeborener Kinder nach. Erwogen wird z.B. die Einführung eines Straftatbestandes „Tötung eines ungeborenen Kindes”. Dabei sollte ein Fötus mit 26 Wochen als Kind betrachtet werden.

In Deutschland…..

Nach dem Embryonenschutzgesetz (ESchG) – weitgehend konsentierte Kompromisslösung – ist die Gewinnung menschlicher Stammzellen aus Embryonen nicht gestattet, weil dabei Embryonen – Menschen –  „verworfen”/getötet werden müssen. Es wird die These vertreten, bei der Forschung an embryonalen StZ handele es sich um eine “Basisinnovation des 21. Jahrhunderts”; daher sei sie ethisch gerechtfertigt. – Aber: Bislang handelt es sich um Hypothesen (fast ohne Relevanznachweis). – Und: Es ist „plausibel, daß eine medizinische Therapie mit embryonalen Stammzellen, wenn überhaupt, erst in einem Zeithorizont von 20 Jahren zu realisieren sein könnte” (Wiss. Dienste des Dt. Bundestags 12/06).

Am 30. Januar 2002 hat der Bundestag über die Einfuhr menschlicher embryonaler Stammzellen entschieden; er hat die Einfuhr und das Forschen an diesen Zellen unter bestimmten Bedingungen (Stichtag: 1. Januar 2002) gestattet. „Das Recht auf Leben läßt einen Spielraum für Abwägungen mit den Grundrechten der Eltern und der Forscher” – so Ministerin Zypries. – Im April 2008 hat der Bundestag den Stichtag auf den 1. Mai 2007 verschoben (Vorwurf: „Ethische Wanderdüne).

Zur Überprüfung der Anträge auf Einfuhr dieser Zellen ist ein Gremium geschaffen worden: die geheim tagende Zentrale Ethik-Kommission für Stammzellenforschung.

Am 5. Dezember 2006 hat das Bundespatentamt ein Patent von Prof. Brüstle z.T. als zu Unrecht erteilt beurteilt – mit der interessanten Begründung: “Das Patent verstößt zwar nicht gegen geltendes Recht, wohl aber gegen die Moral”.

Die Gewinnung und kommerzielle Nutzung embryonaler Stammzellen ist nicht patentierbar, hat das Europäische Patentamt am 27. November 2008 in einer Grundsatzentscheidung festgestellt. – Auf Vorlage vom BGH (basierend auf der Berufung von Prof. Brüstle, s.o.) hat der EuGH angedeutet, daß ein Patentschutz für embryonale Stammzellen nicht möglich ist, “wenn zur Nutzung der Zellen menschliche Embryonen zerstört oder beschädigt werden müssen”; vergl. auch die gleichlautende Entscheidung vom Oktober 2011 (s.o.).

 

…. in der EU:

Im Sommer 2006 hat der EU-Ministerrat mit knapper Billigung des EU-Parlaments  Möglichkeiten der erweiterten Forschungsfinanzierung im Bereich embryonaler Stammzellen geschaffen. Das 7. Forschungsprogramm läuft über 7 Jahre mit einem Gesamtvolumen von € 54 Mrd, davon € 6,2 Mrd. für medizinische Forschung, € 50 Mio. an menschlichen Embryonen. Diese Entscheidung wurde entgegen der deutschen Rechtslage getroffen. Es kann nicht verwundern, daß die Befürworter der embryonalen StZF die (nach deutschem Gesetz mögliche) Strafbarkeit deutscher Forscher „als nicht mehr zumutbar” aufheben wollen.

…. in den USA:

Juli 2006: Der US-Senat hat wie das Repräsentantenhaus der Ausweitung der aus Steuergeldern finanzierten Stammzellenforschung zugestimmt. Weil damit „eine moralische Grenze überschritten wird, die unsere anständige Gesellschaft respektieren muß”, hat Präsident Bush sein VETO eingelegt. Die neue Regierung Obama hat angekündigt, diese restriktive Haltung aufzugeben (02/09).

DIE STAMMZELLENFORSCHUNG (StZF):

Man muß unterscheiden:

(1) die ethisch unbedenkliche Forschung an adulten StZ z.B. aus der Nabelschnur

(2) die ethisch inakzeptable Forschung an embryonalen StZ, weil dabei Embryonen getötet werden müssen

Nach einer Umfrage (Infratest 2007) sind etwa 2/3 der Befragten dafür, daß die Forschung an und mit menschlichen Embryonen verboten bleibt.

 

zu (1): adulte StZF:

1988 hat die erste Transplantation von StZ aus Nabelschnurblut stattgefunden. Heute gibt es weltweit hunderttausende eingelagerter Nabelschnureinheiten, über 6000 Transplantationen bei 45 Krankheiten haben bereits stattgefunden.

Ein erstaunlicher Fall betrifft eine Patientin in Kanada. Sie war während der Schwangerschaft an Leukämie erkrankt und bestand darauf, mit dem Nabelschnurblut ihres Baby’s behandelt zu werden. Nach der erfolgten Transplantation wurde sie gesund. Mutter und Tochter sind wohlauf.

Deutsche Forscher sind auf diesem Gebiet führend.

 

zu (2): embryonale StZF:

Nähere Infos unter “Klonen”.

Zum Stichwort „Reprogrammierung” vergl. Text unter ZEICHEN DER ZEIT. Diese Zellen sind den embryonalen StZ ähnlich und daher mit dem vergleichbaren Tumor-Risiko behaftet.

Mai 2013

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