Pränataldiagnostik PND

Mit Hilfe der PND lassen sich in vielen Fällen diffuse Ängste der Eltern während der Schwangerschaft ausräumen. Mit dieser Begründung ist die PND ursprünglich eingeführt worden. Risikolos war sie nie: Bei der früher notwendigen Fruchtwasseruntersuchung bestand immer ein Risiko (1%) für das Leben des Kindes. Heute lässt sich schon aus dem Blut der Mutter das kindliche Erbgut (DNA) entziffern. Die PND kann daher immer früher (und insoweit risikoloser) vorgenommen werden. Wegen der nicht zu übersehenden Risiken weiterer Abtreibungen hat Kardinal Schönborn diese Entwicklung als möglichen Einstieg in die Eugenik bezeichnet.

Soweit möglich, können nach der Untersuchung rechtzeitig Vorbereitungen für eine Behandlung ungeborener (Fetalchirurgie) und/oder neugeborener Kinder getroffen werden. (1969 hat ein Arzt in den USA den ersten vorgeburtlichen Eingriff gewagt; heute gibt es bei uns etwa 300 fetalchirurgische Eingriffe pro Jahr.) – Mit diesen zutreffenden Begründungen ist die PND – als Ausnahmeregelung – ursprünglich gerechtfertigt und eingeführt worden.

Die Neuregelung des Schwangerenkonfliktgesetzes mit der verpflichtend zusätzlich erforderlichen psychosozialen Beratung von Eltern, die mit einer negativen Diagnose konfrontiert werden, kann den Eltern in dieser psychologisch schwierigen Situation helfen*.

Die negativen Aspekte dürfen nicht verdrängt werden. Mit der PND kann man zwar rd. 2.000 verschiedene Erkrankungen und/oder Behinderungen diagnostizieren (einige mit Sicherheit allerdings erst nach der 22 SSW), aber nicht alle Erkrankungen bzw. Behinderungen sind z.Zt. therapier-/heilbar.

Und: Es besteht die Gefahr, dass die ursprünglich nur für Einzelfälle vorgesehene Möglichkeit zu einer (verpflichtenden?) “Regeluntersuchung” ausgeweitet wird. Je “einfacher” der Test, um so größer der gesellschaftliche Druck, ihn auch zu nutzen. Schon jetzt nehmen ca. 80% der Schwangeren eine der verschiedenen Formen der PND in Anspruch.

Nach erfolgter PND hat sich eine rechtswidrige Praxis bzgl. der Abtreibung durchgesetzt: “Behinderte Embryonen dürfen abgetrieben werden” (vergl. Montgomery, FAS 26. Juni 2011). In der Praxis hat sich die PND daher fast nur noch zu einem “Ausmusterungsinstrument” entwickelt (Maio, HK 11/2011, S. 578). – Es wird geschätzt, daß bei uns mehr als 90% der Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben werden.

Auch ist nicht auszuschließen, daß die tatsächlich genutzte Möglichkeit der Abtreibung zu einer “Schwangerschaft unter Vorbehalt” führen kann.

Fragen/Probleme:

  • Wie gehen die Eltern mit den durch die PND gewonnenen Erkenntnissen um? Wie sicher ist die Diagnose?
  • Das gilt insbesondere, wenn die Geburt eines behinderten Kindes erwartet werden muß. Welche Hilfen werden ihnen von wem angeboten?
  • Wie geht unsere Gesellschaft mit den Eltern behinderter Kinder um?

Stichwort: „Gesetz der postmodernen Sozialverträglichkeitsmoral”: „Wie konnten Sie angesichts der enormen Kosten für die Gesellschaft es wagen, dieses Kind auszutragen?”

Eine Folge ist, dass der Rechtfertigungsdruck auf die Eltern nur möglicherweise behinderter Kinder wächst. Wie steht es mit dem Recht der Eltern auf Nichtwissen? Darf gesellschaftlicher Druck dieses Recht “aushebeln”? Und: Wie schützt man das Recht der noch ungeborenen Kinder auf Nichtwissen? Gegenüber ihren Eltern?

Es ist zudem davon auszugehen, daß auch der Druck auf die Ärzte wächst. Können sie zwischen den Möglichkeiten der Gendiagnosen und den (auch) fragwürdigen Anwendungen trennen?

– Teilfrage: Die „KIND-ALS-SCHADEN”-Rechtssprechung:

(1) OLG München 15. 2. 2001 „Haftet (Arzt) für den Unterhaltsschaden, wenn bei richtiger Information das Kind aufgrund der medizinischen Indikation (§ 218a, Abs. II StGB) abgetrieben worden wäre”.

(2) Ein Arzt, der ein (tatsächlich nicht wirksames) Verhütungsmittel verordnet hat, muß der Mutter nach der Geburt des Kindes Schadensersatz (Unterhalt) zahlen, auch wenn das Kind gesund ist.

Die im Grundsatz gerichtlich akzeptierte „Kind-als-Schaden”-Rechtssprechung hat zu der Verunsicherung der Ärzte beigetragen. Das Arzthaftrecht sollte in dieser Hinsicht überprüft werden.

* Vergl. auch Videointerview mit C. Langanki unter “Leben mit Behinderungen”.

August 2012

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