LEBEN – TOD

Das beschleunigte Leben – der verlangsamte Tod
Zusätzliche Entscheidungsoptionen beim Sterbeprozeß
Oder: Stellt die Entkriminalisierung den Lebensschutz in Frage?

Zunehmend klagen ältere Menschen darüber, daß sie dem beschleunigten Lebensrhythmus nicht mehr zu folgen vermögen. „Entschleunigen” als die Antwort? Eine nicht leicht in der Praxis umzusetzende Forderung.

Dank der unbestreitbaren Fortschritte in der Medizin gibt es aber einen Bereich, in dem sich die Prozesse verlangsamt haben, in dem mehr Zeit zur Verfügung steht – beim Sterben. Die Umstände des Sterbens – des Lebens vor dem Sterben – sind besser steuerbar und damit auch akzeptierbarer geworden. Allerdings ergeben sich im Prozeß der Sterbebegleitung oft zusätzliche Fragen, die zu schwerwiegenden Entscheidungen zwingen: Wann darf die medizinische Behandlung, wann die künstliche Ernährung abgebrochen werden? Wer entscheidet?

Wie kann man den umfassenden Lebensschutz besser gewährleisten: mit den Mitteln des Straf- oder doch angemessener mit denen des Zivilrechts? Während früher der Strafrichter möglicherweise auf „Tötung durch Unterlassen” erkannt hätte, setzt man heute auf das Zivilrecht. Wegen des fehlenden Unrechtsbewußtseins? Wegen der ohnehin starken psychischen Belastungen der Entscheidenden? Wegen der „Unangemessenheit” strafrechtlicher Sanktionen in derartigen Fällen?

Der Weg in die Entkriminalisierung birgt die Gefahr sowohl des Mißbrauchs als auch – vergl. die Abtreibung: rechtswidrig aber straflos – der gravierenden Bewußtseinsänderung, d.h. des zunehmenden Verlusts des Unrechtsbewußtseins. Um diesen Gefahren zu begegnen, kann daher dieser Weg nur dann gegangen werden, wenn es gelingt, ganz präzise und damit praktisch brauchbare gesetzliche Regelungen zur Problematik zu formulieren. Das Verbot der Tötung, auch der Tötung auf Verlangen darf in keinem Fall ausgehöhlt werden.

Ziel: Leben bis zuletzt unterstützen und/aber am Sterben nicht hindern.

November 2004

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