Rationierung

Gerechte Verteilung knapper medizinischer Güter

– im Alter und bei der Transplantationsmedizin

Angesichts der Spannung zwischen wachsender „Überalterung“ unserer Gesellschaft – auch der erweiterten Möglichkeiten/Chancen der modernen Medizin – und der Knappheit an Zeit, Ressourcen und medizinischen Gütern wird bei uns eine Debatte mit zunehmender Schärfe geführt: Ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung erlaubt, d.h. dürfen (müssen?) bestimmte, teure medizinische Leistungen ab einer bestimmten Altersgrenze „abgesetzt, zumindest aber rationiert“ werden? Nach welchen ethisch akzeptablen Kriterien erfolgt die “Zuteilung” zu knapper Organe? In der Praxis gibt es schon jetzt Rationierungen z.B. durch Quartalsdeckelungen und Wartelisten. Sicher ist die Verschwendung medizinischer Güter unethisch.

Wie können „notwendige Vorzugsentscheidungen ethisch gerechtfertigt werden?“ In jedem Fall nicht willkürlich, sondern aufgrund medizinischer Kriterien in einem strukturierten, transparenten und nachvollziehbaren Prozeß. Starre Altersgrenzen sind dazu nicht geeignet. Abgesehen davon, daß jede gewählte Grenze angesichts der bestehenden Unterschiede bei den Menschen willkürlich wäre, könnte eine solche Einstellung zu einer mit dem Grundgesetz nicht zu vereinbarenden allgemeinen Diskriminierung alter/kranker Menschen führen.

Nur die schon immer in der Medizin! im Einzelfall praktizierte Anwendung des Verhältnismäßigkeitsprinzips – ausgerichtet an der Dringlichkeit der Behandlung – führt zu einer menschen- und sachgerechten Lösung.

Zitat einer Ärztin auf einer Palliativstation: „Bei jedem immer alles zu machen, ist keine Kunst. Schon gar keine ärztliche.“

Vergl. dazu auch das Thesenpapier der deutschen Bischöfe „Solidarität  braucht Eigenverantwortung“ (Juni 2003). Wie steht es aber mit der Fähigkeit zur Eigenverantwortung?

Februar 2011

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