Familie

Auf die enge Verbindung von Familie und Leben hat die bischöfliche Kommission „Für Familie und Leben in Europa” in Rom hingewiesen; darin hat sie u.a. in der heutigen europäischen Gesellschaft die Tendenzen beklagt, „die nicht nur in keiner Weise zur Verteidigung der grundlegenden Institution der Familie beitragen, sondern sie sogar bekämpfen und somit ihren inneren Zusammenhalt schwächen”. Der Schutz der Zukunftsfähigkeit von Ehe und Familie wird in nächster Zeit eines der großen öffentlich diskutierten Themen werden. Dass die christlichen Kirchen in dieser Frage anscheinend nicht mehr mit einer Stimme sprechen, schwächt ihre Position in dem notwendigen gesellschaftlich-politischen Diskurs.

In den letzten Jahren wird die gem. Art. 6 GG geschützte Ehe und Familie vor allem von zwei Seiten “angegriffen” und systematisch unterminiert: Der von interessierten Seiten angestrebten Gleichstellung mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften – gegen das “heteronormative Weltbild” – und der Bevorzugung der Erwerbs- gegenüber der Familienarbeit. In diesem Zusammenhang muß man die angestrebte frühzeitige Übernahme der Kleinkinder in eine elternfreie frühkindliche Erziehung sehen – gegen das Betreuungsgeld.

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften aufzuwerten ist nicht nur ein deutsches Problem: Die kanadische Regierung hat – aufgrund entsprechender Gerichtsentscheidungen – angekündigt, in der Verfassung die rechtliche Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft als eine andere staatlich akzeptierte Form der Ehe zu ermöglichen. Kann es verwundern, wenn manche die „Eingetragene Lebenspartnerschaft” als Vorstufe zu der dann voll akzeptierten „Homo-Ehe” ansehen? Mit Interesse ist das Urteil des Obersten Gerichts von New York (Juni 2006) aufgenommen worden, in dem es das Verbot der Schwulen-„Ehe” bekräftigt hat. Wesentliches Argument war das Kindeswohl. Deren Recht, „im Zusammenhang überlieferter Werte und Rollen aufzuwachsen”, unterliege der staatlichen Schutzpflicht. „Diese nicht wahrzunehmen, bedeute zugleich die staatliche Begünstigung der Zerschlagung solcher Traditionen” (FAZ 8. 7. 2006).

Es bleibt die Frage über das Verhältnis der Nützlichkeit für eine Minderheit und dem Wohl der Allgemeinheit.

Die Familienfreundlichkeit deutscher Unternehmen bleibt unterentwickelt – indirekt durch befristete Arbeitsverträge und die Präferenz der erwarteten Mobilität und direkt z.B. durch die einschränkenden Modalitäten bei der Rückkehr nach der Babypause. Allerdings gibt es Anzeichen, dass Firmen umdenken; familienfreundliche Maßnahmen rechnen sich auch betriebswirtschaftlich. In der Chemiebranche werden Demographiekorridore angewandt: Die wöchentliche Arbeitszeit richtet sich nicht nur nach der Auftragslage, sondern auch der Lebensphase der AN. Während Kinderlose mit 40 Stunden länger arbeiten müssen, reduziert sich die Arbeitszeit bei AN mit Kindern auf 35 Stunden – bei vollem Lohnausgleich.

Seit 1998 vergibt die Gemeinnützige Hertie Stiftung ein Zertifikat für familienbewusste Personalpolitik an Unternehmen, Institutionen (u.a. Bistümer) und Hochschulen.

Ehegattensplitting:

Seinen eigenen Bestand zu sichern, ist ein legitimes Interesse des Staates. Dazu bedient er sich der Mithilfe der Eltern in der Ehe. Deshalb der besondere Schutz der Familie/Ehe in Art. 6 GG. Das Ehegattensplitting ist eine Anerkennung des Staates an die Eltern in der Ehe. Die Ehe ist kein marktwirtschaftliches Tauschverhältnis auf Gegenseitigkeit. Im Gegenteil, es soll eben nicht das vielseitige Geben und Nehmen be- und aufgerechnet werden. Eine gewisse Einseitigkeit wird dabei in Kauf genommen. – Um die steuerliche Situation den „sich veränderten Umständen anzupassen”, wird eine Erweiterung zu einem Familiensplitting erwogen, d.h. Familien mit Kindern sollen besonders gefördert werden. Es muß jedoch darauf geachtet werden, daß durch die Konzentration auf rein marktwirtschaftliche Kriterien nicht der Grundgesetzschutz der grundsätzlich anders gelagerten Ehe und Familie faktisch ausgehöhlt wird.

Juli 2013

2 Kommentare zu Familie

  • J. Beckermann

    Deutliche Worte ….

    Am 20. Juni 2013 hat die Bundesregierung eine wissenschaftliche Untersuchung zur Familienpolitik veröffentlicht. Insgesamt werden jedes Jahr 200 Mrd. ausgegeben. – Diese Untersuchung ist medial ausführlich begleitet worden.

    Unter der Überschrift “Kein Kinderklima” (FAZ 21.06.2013) schreibt Reinhard Müller: “Kein Thema für die Familienpolitik ist weiterhin, wie der Staat sich zum werdenden Leben verhält. … Wer jedes Jahr hunderttausend Abtreibungen faktisch fördert, der sollte über fehlende Geburten nicht jammern.”

  • J. Beckermann

    Verheiratete Eltern mit Kindern – die klassische Familie wird zum Auslaufmodell

    Der Trend hat sich weiter verfestigt: Immer mehr Kinder wachsen ohne verheiratete Eltern auf. Im Osten Deutschlands entspricht nur noch die Hälfte der Haushalte dem klassischen Familienmodell, im Südwesten immerhin noch etwa 75%.

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