Geburt

Allgemeine Entwicklung:

Eltern werden in ihrer Entscheidung für oder gegen Kinder von einer Kombination mehrerer Faktoren beeinflusst: finanziellen, strukturellen (z.B. Betreuungsmöglichkeiten) und vor allem kulturellen (Vorstellungen, eigene/gesellschaftliche Erwartungen), wobei der letzte Aspekt bei uns häufig unterschätzt wird (Schneider, FAZ 09/01/13).

Seit 2008 hat sich in Europa die Anzahl Kinder je Frau von durchschnittlich 1,45 auf 1,6 erhöht; ein weiterer Anstieg auf 1,7 wird erwartet. Allerdings wäre ein Wert von 2,1 zur Bestandserhaltung erforderlich. Die Zahl der Geburten in Deutschland lag 2010 bei 1,39 Kindern pro Frau (1990: 1,45). Zum Vergleich: Hoch: Island 2,2, Irland 2,07, Frankreich 2,04; Tief: Lettland 1,17. – Und: Immer mehr Frauen bleiben kinderlos.

Bei einer Geburtenrate von 1,4 verkleinert sich jede Generation um ein Drittel ggü. der Vorgängergeneration. Da der Zustand der quantitativ-demographischen Schrumpfung nicht umkehrbar ist – zumindest nicht kurzfristig -, müssen wir mit tiefgreifenden Veränderungen in Gesellschaft, Staat und Wirtschaft rechnen.

Die Zahl der Geburten hat sich bei uns in den letzten Jahren verringert: Während 1964 1.357.304 Lebendgeborene gezählt worden sind, lag deren Zahl im Jahr 2009 mit 665.126 so niedrig wie nie. Die Zahl der Sterbefälle betrug 855.00. Im Jahr 2010 zeigte sich eine leicht steigende Tendenz: Es gab 678.000 Geburten und 858.768 Sterbefälle. Schon in 2011 ist die Zahl der Geburten aber weiter auf nur noch 662.712 gesunken; 852.359 Sterbefälle wurden registriert. Für 2012 wurden 673.500 Geburten und 870.000 Todesfälle gemeldet, für 2013 682.069 Geburten und über 890.000 Sterbefälle. POSITIVE NACHRICHT: Im Jahr 2014 ist die Zahl der Geburten um 4,8% auf 715.000 (1,47) gestiegen; die Sterbefälle sind auf 868.000 gesunken.

Aber: Da die nächstjüngere Altersgruppe deutlich kleiner ist, wird sich die Geburtenzahl nach 2020 tendenziell weiter verringern.

“Kohortenfertilität”: Bei den in den siebziger Jahren geborenen Frauen scheint sich die Tendenz zu einer leichten Steigerung der Geburtenzahlen anzudeuten; das könnte zu einer höheren endgültigen Geburtenrate führen (FAZ 23/03/13).

Die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis 49 Jahre) sank weiter von 18,7 auf jetzt 18,4 Millionen.

Zum Ausgleich des Defizits zwischen Geburten und Sterbefällen im wesentlichen auf Zuwanderung zu setzen, könnte zu einem „demographischen Kolonialismus” (Prof. Herwig Birg) führen. Zu den größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen vergl. aber Karl Otto Hondrich: „Weniger sind mehr. Warum der Geburtenrückgang ein Glücksfall für unsere Gesellschaft ist” (2007).

Nach einer neuen Studie der BDO und des HWWI (Mai 2015) belegt Deutschland jetzt den letzten Platz bei der Zahl der Geburten – mit nur noch 8,2 Kindern je 1000 Einwohner; Japan 8,4, Portugal 9,0 und Italien 9,3. Den Spitzenplatz hält Niger mit 50 Kindern je 1000 Einwohner.

 

“Sternenkinder”

Gem. § 31 Personenstandsgesetz wurden bislang totgeborene Kinder (“Fehlgeburten”) mit einem Gewicht von unter 500 Gramm nicht einmal in das (Sterbe-)Register eingetragen. Aufgrund einer Gesetzesänderung wird dieser (menschen-)unwürdige Zustand ab dem 15. Mai 2013 beendet: Die Gewichtsuntergrenze wird aufgehoben, die Registrierung unter dem eigenen Namen ist zulässig und auch eine Bestattung ist möglich; das Bistum Augsburg nutzt dafür den Begriff “zur Ruhebettung”.

„Unterjüngung”

Dieser von Ursula Lehr geprägte Begriff soll aussagen, daß die massive Überalterung unserer Gesellschaft nicht allein auf die erfreuliche Erhöhung des Lebensalters zurückzuführen ist, sondern auch auf die zu niedrigen Geburtenraten. Eine Folge könnte ein „Kampf” zwischen Kinderlosen und Kinderhabenden sein – z.B. im Renten- und im Steuerrecht.

„Entmischungsprozess”

So nennt das Bundesbauministerium das Phänomen der zunehmenden Nachbarschafts-Monokultur, d.h. mangels Kindern entstehen Quartiere mit fast ausschließlich älterer Bevölkerung.

Uneheliche Kinder:

Im Jahr 2011 sind in Deutschland 224.750 Kinder außerhalb einer Ehe geboren worden (33% aller Geburten). Allerdings stammt die Hälfte dieser Kinder aus “eheähnlichen Verhältnissen”. Die Zahl der “kindorientierten Ehegründungen” ist zwar zurückgegangen, die Möglichkeit einer späteren Eheschließung wird aber von einem hohen Prozentsatz dieser Paare nicht ausgeschlossen. – Im Jahr 2013 ist die Zahl der nichtehelichen Geburten auf einen neuen Höchststand von 237.562 angestiegen.

Das BVerfG hat heimlich vorgenommene Gentests von Vätern für verfassungswidrig erklärt.

In der EU steigt die Zahl der außerhalb einer Ehe geborenen Kinder weiter an: Während sie im Jahr 1990 bei 17,4% lag, verdoppelte sie sich bis 2009 auf 37,4%. (Island 63,8%, Norwegen 54,5%, Frankreich 50,7% und UK 44,4%).

Mai 2015

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