WERTE

Pluralisierung ! – Verlust ? – Wandel !

Oder: Neues personales, tragfähiges Wertebewußtsein

Bei unseren Bemühungen um einen Bewußtseinswandel zugunsten des Lebens setzen wir (wie selbstverständlich) auf moralische Grundüberzeugungen basierend auf dem christlichen Menschenbild. Aber: Für wen gelten diese Überzeugungen (noch)? Sind sie vermittlungsfähig? Nur über die Vernunft?

Die These, der Verlust des Religiösen sei die (denk-)notwendige Folge der Moderne bzw. des Säkularisierungsprozesses, mag zwar für Europa in der Praxis weitgehend noch zutreffen, als Regel stimmt sie aber nicht. Das sieht man schon bei einem Vergleich mit der besonderen für manche Europäer völlig unverständlichen, weil gegenläufigen Entwicklung in den USA. „Moderne Gesellschaften können sich ihrer Säkularität nicht mehr sicher sein” (Höhn, HK 12/06).

Diese Veränderungsprozesse laufen eben nicht nur gegeneinander, nicht einmal nacheinander, sondern in verschiedenen Bereichen sogar gleichzeitig ab – man denke nur an die auch festgestellte “Rückkehr des Religiösen im Säkularen”. Es kann dabei auch (eher unbeabsichtigt) zu “Mischformen” kommen, z.B. den “Versöhnungs-Pluralismus”, wenn die eigenen Überzeugungen nur aus falsch verstandener Rücksichtnahme unterdrückt werden.

Zur Klärung dieser für viele verwirrenden Phänomene hat der Schweizer Jesuit P. Dr. Hansruedi Kleiber auf vier besonders wirkmächtige, gleichzeitig relevante Faktoren hingewiesen:

  • Säkularisierung: Werte lösen sich aus dem religiösen Kontext
  • Pluralisierung: Wertorientierungen werden vielfältig
  • Differenzierung: Für verschiedene Bereiche gelten unterschiedliche Werte
  • Individualisierung: Der Einzelne muß seine Orientierung selber finden

Diese Faktoren machen deutlich, daß eine von allen akzeptierte, umfassende Werteordnung nicht mehr besteht – nicht mehr bestehen kann. Positiv gewendet kann man auch sagen, daß in diesem (gewollt) pluralen Umfeld der Einzelne – mangels allgemein gesellschaftlich akzeptierter Vorgaben – sich intensiver um seine eigene Werteordnung bemühen muß und daß dieses nur so gewonnene personale Wertebewußtsein dann aber auch tragfähiger als ein nur „von außen” übergestülptes Wertekorsett ist.

Unser Ziel im Bereich Lebensschutz muß daher sein, den Prozeß der auf der Verantwortlichkeit des Einzelnen aufbauenden personalen Wertefindung aufzuspüren und zu unterstützen.

März 2010

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