DER ERHOBENE ZEIGEFINGER

– bitte nicht in der Lebensrechtsdebatte.

Oder: Warum Rücksicht auf andere Einsichten genommen werden sollte.

Oder: Warum öffentliche Vorwürfe zumeist kontraproduktiv sind.

Wie sich Lebensschützer untereinander selber das Leben schwer machen –
und damit der notwendige Geschlossenheit im Auftreten gefährden.

Wirksamer, belastbarer Lebensschutz ist eine Frage vieler privater Hilfsangebote. Er ist aber auch – gerade in unserem Medienzeitalter – die Folge eines glaubwürdigen Auftretens in der Öffentlichkeit. Daß mit einem geschlossenen – auch öffentlichen – Auftreten der erforderliche Bewußtseinswandel besser erreicht werden kann, läßt sich eindrucksvoll an den Entwicklungen in den USA ablesen.

„Der schreibt, der spricht immer mit dem gehobenen Zeigefinger!” Wir alle kennen das: Manche unserer Zeitgenossen gehen uns einfach auf die Nerven, mit ihrer nicht selten penetranten, unduldsamen, ihrer besserwisserischen Art. Nicht, daß wir ihre Grundeinstellung nicht teilen könnten, allein ihre selbstgerechte Art macht uns die freudige, die vorbehaltlose Zustimmung oft so schwer.

Neben dem immer gehobenen Zeigefinger ist es besonders die bigotte/frömmelnde Art, die uns abschreckt. Von der auch geforderten christlichen Nächstenliebe ist nichts zu sehen. Nichts von dem Bewußtsein der eigenen Fehlerhaftigkeit, vielleicht sogar eigener Schuld.

Man muß auch von Intoleranz sprechen. Es ist ja nicht so, daß es bei komplexen Sachverhalten nur eine offensichtliche Wahrheit gäbe. Wenn man die Zahl der Abtreibungen wirksam senken möchte, was ist geboten: Strafe oder Beratung? Oder eine Kombination? Man kann, darf, ja muß über den richtigen Weg streiten – auch wenn und weil man sich im Ziel einig ist. Und wenn man sich dann nach langem, intensivem (und ehrlichen) Ringen für eine Alternative entschieden hat, sollte man zudem regelmäßig eine Überprüfung der sauber erfaßten Ergebnisse anhand der Zielvorgaben vornehmen.

Das allerdings fordern alle Lebensrechtler vom deutschen Gesetzgeber: Daß er zehn Jahre nach Inkrafttreten der neuen Regelungen in „Abtreibungsrecht” seiner Nachprüfungs- und evtl. Nachbesserungspflicht nachkommt. Das hat schon das BVerfG in seinem Urteil von 1993 gefordert.

Der misslungene DIALOG

Die Intoleranz der `moralisch Korrekten´ ist fast wie eine moderne Inquisition, das ist kein Dialog“ – mit diesen Worten wird Abtprimas Notker Wolf in diesen Tagen zitiert. Der Diskurs über komplexe Themen aus dem Bereich Lebensschutz bzw. Bio-Ethik – in letzter Zeit besonders bei Fragen bzgl. der ´Pille danach´und/oder der Sterbehilfe – leiden leider zu häufig darunter, dass „mit dem erhobenen Zeigefinger“ argumentiert wird. „Ideologie ist Ordnung auf Kosten des Weiterdenkens“ hat der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt diese Haltung beschrieben.

Juli 2014

 

 

 

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