GOTT UND DER PREIS UNSERER FREIHEIT

„Vater, vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.”

Jesus hängt am Kreuz. Freiwillig und unschuldig erleidet er bittere Qualen. Und woran denkt er? Für wen bittet er? Für sich? Nein, er bittet für seine Peiniger! „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun”. Wer erinnert sich nicht an diese für uns überraschende Bitte Jesu?

Aus der Sicht Gottes ist nicht nur die Bosheit die Quelle der Sünde, sondern auch die menschliche Unwissenheit. Dem Menschen fehlt es in letzter Konsequenz an der notwendigen, umfassenden Kenntnis, um die Tiefe seiner Taten wirklich und voll erkennen zu können. Wie könnte man als Mensch, als Geschöpf erkennen können, was es bedeutet, für den Tod des eigenen Schöpfers mitverantwortlich zu sein? Worin liegt dann aber unsere Schuld, die Gott uns vergeben soll? Sie liegt in dem über unsere Unkenntnis hinausgehenden, verantwortlichen Teil unseres Handelns.

Aus der Sicht Gottes ist die menschliche Freiheit die Quelle der Sünde. Als Preis für seine so gewollte Schöpfung nimmt Gott die Folgen der menschlichen Freiheit in Kauf. Selbst bezogen auf seinen eigenen Sohn, auf dessen ungerechtes und schändliches Schicksal, greift Gott nicht ein. Die menschliche Freiheit mit der Möglichkeit zum Bösen, zum Negativen bleibt unangetastet. Sich bewußt für das Negative entschieden zu haben, darin liegt unsere Schuld.

„….denn sie wissen nicht, was sie tun.” Kann dieser Gedanke uns auch in anderen Zusammenhängen entlasten? In den letzten Wochen scheinen sich in Europa im bio-ethischen Bereich die Entscheidungen gegen das Leben zu häufen. „Für das Recht auf Abtreibung” hat sich die EU entschieden. Das Parlament in England hat sich für die Forschung an Mischembryonen (aus Tieren und Menschen) und für die künstliche Produktion von „saviour siblings” ausgesprochen.

Gilt auch bei diesen Fragen die obige Bitte Jesu? Wissen die Parlamentarier, die ihnen zuarbeitenden Wissenschaftler nicht, was sie tun? Die wissenschaftlichen Grundkenntnisse sind abrufbar. Im Grundsatz sind auch die moralisch-ethischen Maßstäbe vorhanden. Dennoch gewinnt man zunehmend den Eindruck, daß die „Fortschritte” in der Forschung immer neue Problemfelder, so nicht bekannte Fragen aufwerfen. Hinkt die Ethik zwangsläufig hinterher?

„ … denn sie wissen nicht, was sie tun.” Sie scheinen wirklich nicht zu wissen, was sie tun, nicht in des Wortes vollster Bedeutung. Kann sie das entlasten, teilweise sogar entschuldigen? Unsere Überlegungen mögen (ansatzweise) noch so richtig sein. Sie können uns nicht von den notwendigen, uns abgeforderten Anstrengungen entlasten, zu einer vertieften Kenntnis im Bezug auf die bio-ethischen Fragen beizutragen.

Werden nicht auch vorhandene Warnsignale bewußt übersehen?

Sept. 2008

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