WORK – LIFE – BALANCE

Ausgeglichenheit als neues Ziel

Oder: Für ein zukunftsträchtiges Verhältnis zwischen Leben und Arbeit

Wörtlich übersetzt bedeutet „Work-Life-Balance” eigentlich nichts anderes als ein „ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Leben”. Es ist richtig: Es gibt ein Leben außerhalb der Arbeit. Ein inzwischen berühmter Werbe-Spruch müßte dann etwa lauten: „Arbeitest Du noch (nur?) oder lebst Du auch?”

Für die sich verfestigende Zahl der Arbeitslosen bekommt dieses Motto aber einen ganz neuen Sinn: Während früher häufig die „Gefahr” bestand, daß sich Menschen allein über ihre Arbeit, ihre Stellung, ihren Titel definiert haben, müssen heute immer mehr Menschen versuchen, auch ohne feste Erwerbs-Arbeit ihrem Leben einen Sinn zu geben. Das ist nicht leicht: Arbeit ist eben mehr als nur Quelle für ein geregeltes Einkommen. Sie ist sozialer Bezugspunkt, sie ermöglicht Erfolgserlebnisse, sie schafft auch die Möglichkeit, die uns geschenkte Zeit mit Sinn zu erfüllen.

Grundsätzlich gilt: Arbeit und Leben sind nicht dasselbe, sie schließen sich auch nicht gegenseitig aus, sondern sie ergänzen einander. Allerdings sollte ein weiterer Bereich in das Work-Life-Balance Prinzip einbezogen werden – die Familie. Ihr Wert wird (wenn auch nur zögernd) mehr und mehr von den Unternehmen anerkannt.

Ein geordnetes Familienleben wird sogar als Bedingung für ein erfolgreiches Agieren als Manager verstanden. Die Firmen achten wieder darauf. Ehescheidungen sind kein akzeptables Mittel der Karrieresteigerung. Müßten die Unternehmensleitungen nicht noch gezielter auf familiäre Gegebenheiten, auch Zwänge, von Vätern und Mütter Rücksicht nehmen? Flexibilität/Verlängerung der Arbeitszeiten ist aus dieser Sicht ein zweischneidiges Rezept. Ebenso einseitig verlängerte Ladenöffnungszeiten. Die erwartete Ortsungebundenheit – verbunden mit tatsächlichen regelmäßigen Wechseln des Einsatzortes – ist auch nicht gerade familienfördernd.

Die sinkende Zahl der Kinder – gerade bei den besser ausgebildeten Frauen – oder allgemein gewendet der Verlust der demographischen Stabilität sind im gewissen Sinne der notwendige „Preis” unseres auf Wachstum angewiesenen Wirtschaftssystems. Sind wir uns dessen bewußt? Inwieweit kann man umsteuern – selbst wenn man möchte? Arbeitskräfte in einer schrumpfenden Gesellschaft werden zum heiß begehrten Gut. Familienfreundliche Unternehmen haben dabei einen echten, quantifizierbaren Wettbewerbsvorteil.

Also doch: gelungene „Work-Life-Balance” als erstrebenswertes Ziel.

April 2005

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