ZEITGEIST UND HL. GEIST

– notwendiger Gegensatz?

Auf der Suche nach Anknüpfungspunkten für den Glauben

Oder: Die „wunderbare Polarität”

Auch wenn unser weitgehend säkularisiertes Umfeld uns oft einen anderen Eindruck vermittelt, lohnt es sich, in dem diffusen Zeitgeist nach Anknüpfungspunkten für unseren Glauben zu suchen. Wir müssen dabei davon ausgehen, dass die “Ambivalenz Signatur der Moderne” (Kardinal Lehmann) ist. Gerade in Zeiten der “flüchtigen Moderne” bleibt unser Auftrag die „ZEICHEN DER ZEIT” zu deuten. Die Zeit dafür müssen wir uns nehmen – und uns dabei nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Die Wahrheit unserer Grundaussagen – basierend auf dem christlichen Menschenbild – müssen wir beharrlich in den offenen Prozeß, den dynamischen, also veränderlichen Diskurs der Meinungsbildung einbringen. Das gilt insbesondere bei den gravierenden Fragen der Biotechnologie, bei denen der Mensch an die Quellen seiner Existenz, sogar – so scheint es manchen – an die Grenzen der Vernunft stößt. Gerade in diesen Grenzbereichen müssen sich Rationalität und Religion ergänzen (Kardinal Ratzinger; „fides et ratio”).

Bei diesem Prozeß müssen wir die Freiheit des Andersdenkenden respektieren, d.h. wir müssen der Versuchung widerstehen, unsere Überzeugungen Anderen aufzuzwingen (was unter den gegebenen Umständen sicher zum Scheitern verurteilt wäre). Wie sieht das in der Praxis aus? In seiner Enzyklika „Redemptoris Missio” hat Papst Johannes Paul II unseren Wahrheitsanspruch und den daraus folgenden Missionsauftrag begründet und gleichzeitig den vollen Respekt vor der Freiheit des Anderen bekräftigt. „Die Kirche schlägt vor, sie drängt nichts auf.” Die französischen Bischöfe haben das in ihrem Hirtenbrief von 1996 treffend so ausgedrückt: „Proposer la foi dans la société actuelle”.

Um unserer gemeinsamen Zukunftsfähigkeit willen müssen wir versuchen, die religiösen Inhalte für die säkulare Gesellschaft zu „übersetzen” (Habermas), die Wahrheiten – mit Hilfe der erleuchteten Vernunft – auch für Nicht-Christen zumindest ansatzweise verstehbar, d.h. ohne Glauben begründbar zu machen – im Sinne eines „kritischen Naturrechts” (Bischof Marx).

Die „wunderbare Polarität” (Böckenförde) der o.a. Enzyklika – die Wahrheit wird bestätigt, aber dennoch „nur” vorgeschlagen/angeboten – könnte zu einem Leitgedanken für die Integration Europas werden.

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